Deutsch am Arbeitsplatz:
Integration durch Sprachförderung

Angesichts zunehmender internationaler Mobilität spielt die Inklusion nicht-deutschsprachiger Mitarbeiter in die hiesige Arbeitswelt eine immer größere Rolle. Vor allem kommunikative Kompetenzen sind eine Schlüsselqualifikation und ein Instrument der Inklusion am Arbeitsplatz. Welche Methoden sich zur sprachlichen Qualifizierung und damit zu Förderung der kommunikativen Kompetenzen eignen, erforscht das Projekt „Deutsch am Arbeitsplatz“. Die Studiengruppe entwickelt Konzepte und Instrumente zur Untersuchung kommunikativer Bedürfnisse in betrieblichen Zusammenhängen.

Matilde Grünhage-Monetti ist Leiterin der von der VolkwagensStiftung geförderten Studiengruppe, die aus Experten der Forschung und Praxis besteht. Grünhage-Monetti sowie Anne Sass, im Projekt als Vertreterin für die Henkel KGaA., können auf langjährige Erfahrungen im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache sowie Interkulturelles Training zurückgreifen. Auf der SPRACHEN & BERUF werden sie am 17. Juni auf die Themen Deutsch im Beruf sowie die Inklusion von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund in Unternehmen eingehen. Vorab gaben sie uns einen ersten Einblick in ihr aktuelles Projekt.

© Photo Deutsches Institut für Erwachsenenbildung, Mara Monetti

SPRACHEN & BERUF: Was war der Anstoß für Ihr Projekt „Deutsch am Arbeitsplatz“?

Matilde Grünhage-Monetti und Anne Sass: In Deutschland leben und arbeiten immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund, wobei die Inklusion am Arbeitsplatz ein wesentliches Element für den Erfolg im Unternehmen ist. Kommunikative Kompetenz ist dabei für die Inklusion unumgänglich. Sie wird zunehmend konstitutiver Bestandteil beruflicher Handlungskompetenz für alle Mitarbeiter auf allen Hierarchieebenen. Ausgangspunkt unserer Arbeit war es, die kommunikativen Anforderungen am Arbeitsplatz empirisch zu ermitteln und zu analysieren, um gezielte Trainingsangebote auszuarbeiten.

SPRACHEN & BERUF: Wo setzen Sie mit Ihrem Projekt konkret an?

Matilde Grünhage-Monetti und Anne Sass: Wir möchten mit dem Projekt eine Brücke zwischen dem Berufsalltag in Unternehmen und dem Training Deutsch als Fremd- und Zweisprache schlagen. Dafür sind wir direkt in die Praxis gegangen und haben Interviews in Unternehmen durchgeführt sowie authentische Gespräche am Arbeitsplatz aufgenommen. Im Projekt nutzen wir die so erhobenen Daten, um die sprachlichen Bedarfe der Kursteilnehmer und der Firmen zu erfassen und zu analysieren.

Wir haben zudem festgestellt, dass es den Trainern in derzeitigen Schulungssituationen oftmals an einem Einblick in die berufliche Situation der Teilnehmenden fehlt. Die Arbeitgeber unterschätzen oft die Komplexität der sprachlich-kommunikativen Anforderung, welche die moderne Organisation der Arbeit an ihre Mitarbeiter stellt. Und auch die Teilnehmer benötigen Unterstützung bei der Formulierung um ihre Bedürfnisse im beruflichen Alltag. Genau hier möchten wir ansetzen und perspektivisch damit Materialien für den Unterricht und fürs „Train-the-trainers“ generieren, welches sich an den Berufsalltag in Unternehmen orientiert.

SPRACHEN & BERUF: Wie können die von Ihnen formulierten Ziele Unternehmen, Personalern und Trainern in der Praxis helfen?

Matilde Grünhage-Monetti und Anne Sass: Unsere Vorgehensweise - unterstützt durch die organisationsbezogene Kommunikationsanalyse - ermöglicht es den Lehrenden für ihre Zielgruppe einen maßgeschneiderten Trainingsplan zu erstellen und so ganz konkret und zielorientiert mit den Teilnehmern zu arbeiten. Das heißt in der Praxis für die Lehrenden, dass sie gemeinsam mit den Teilnehmern an Inhalten mit großer Relevanz für ihren Arbeitsalltag arbeiten. Für Personaler heißt das, dass Sie gemeinsam mit den Sprachkursanbietern und Trainern ein Trainingsprogramm entwickeln können, welches konkret auf den Bedarf der Firma und der Teilnehmenden abgestimmt ist. Damit können konkrete Ergebnisse für den täglichen Umgang am Arbeitsplatz erzielt werden, wie Gespräche mit Kollegen oder das Verstehen von Arbeitsanweisungen.

SPRACHEN & BERUF: Welche Rolle spielt Interkulturalität in Ihrem Projekt?

Matilde Grünhage-Monetti und Anne Sass: Da in den DaF- und DaZ-Kursen (Deutsch als Fremd- bzw. Zweitsprache) wie auch am Arbeitsplatz Menschen aus verschiedensten Kulturen kommunizieren, ist Interkulturalität selbstverständlich ein Thema. Im beruflichen Alltag ist sie von besonderer Relevanz, weil der Arbeitsplatz ein Ort „unfreiwilliger“, nicht gleichberechtigter und interkultureller Kommunikation ist. Wenn wir in den Fortbildungsmodulen für den Kontext Deutsch am Arbeitsplatz sensibilisieren, gehen wir auf verschiedenste Themen ein und versuchen Fähigkeiten zu trainieren, die die interkulturelle Kompetenz stärken. Darüber hinaus berücksichtigen wir generell Aspekte aus dem Bereich Diversity, wie beispielsweise Geschlecht und Alter. Nicht zuletzt ist für viele Bildungsanbieter und Lehrende eine Sensibilisierung für die Betriebskultur der jeweiligen Firmen notwendig.

Frau Grünhage-Monetti, Frau Sass, vielen Dank für Ihre Zeit!

13. Mai 2009