S & B: Herr Cole, Sie haben fast drei Jahrzehnte in der britischen Armee verbracht, bevor Sie in die Geschäftskommunikation gewechselt sind. Was sind die Hauptunterschiede zwischen diesen beiden Arbeitsbereichen in Bezug auf das Management verschiedener Kulturen und deren Integration in die tägliche Arbeit?
Bill Cole: Eine Facette, die die britische Armee vielleicht von der Geschäftswelt unterscheidet, ist, dass jene bereits seit dem siebzehnten Jahrhundert Umgang mit verschiedenen Kulturen hat. Die Armee hat in ihrer langen Geschichte Allianzen mit anderen Armeen gebildet und die NATO ist dabei das jüngste Beispiel. Somit hat die Armee eine lange Tradition zum Verständnis anderer Kulturen weltweit aufgebaut.
Kulturelle Vielfalt und Integration ist ein integraler Bestandteil der Armee. Zudem rekrutiert die britische Armee Offiziere und Soldaten aus allen Commonwealth-Staaten. Besuchen Sie ein Regiment und Sie sehen beispielsweise Jamaikaner, Nigerianer, Inder und Fidschianer aller Ränge.
Einheiten, die bei Operationen eingesetzt werden, bekommen eine intensive kulturelle Schulung hinsichtlich des Landes, in das sie gehen. Dazu gehört ein grundlegender Sprachkurs, und dass Personen aus dem Gastgeberland an dieser kulturellen Schulung teilnehmen. Mithilfe von Dolmetschern und bewährten Verfahren verläuft die Integration normalerweise reibungslos.
Für Unternehmen, die sich in den letzten vierzig Jahren auf internationale Ebene ausgeweitet haben, ist der Umgang mit verschiedenen Kulturen eine schwierige Herausforderung. Die Gemeinsamkeit der britischen Armee und der internationalen Geschäftswelt ist, dass beide in Schulungen zu interkultureller Sensibilität investieren. Der Hauptunterschied, den ich jedoch festgestellt habe, ist, dass kulturelle Schulungen in der Geschäftswelt ad hoc entstehen, und das beeinflusst unmittelbar die Fähigkeit des Unternehmens zur effektiven Integration. Außerdem haben viele Mitarbeiter, die verschiedene Kulturen nicht gewöhnt sind, Schwierigkeiten, ihre Denkweise anzupassen; Vorurteile und Misstrauen beeinträchtigen die Zusammenarbeit und Leistungsfähigkeit.
Der wichtigste Integrationsgrundsatz der britischen Armee ist „Respekt“, das heißt „Respekt vor anderen Kulturen“. Und das ist ein weiterer bedeutender Unterschied zwischen dem Militär und der Geschäftswelt: Der Wert des Respekts ist für die Geschäftswelt nicht genug. Unternehmen haben Grundsatzerklärungen zur Unterstützung und Würdigung von Vielfalt auf den Weg gebracht, um den Integrationsprozess in Schwung zu bringen. Bei manchen Unternehmen gehört Vielfalt zu den zentralen Werten. Dies ist zur Änderung der Denkweise von Mitarbeitern von grundlegender Bedeutung.
Zusammenfassend würde ich sagen, dass kulturelle Integration Zeit braucht. Sowohl im Militär als auch in der Geschäftswelt ist es anerkannt, dass fehlende Integration fehlende Leistungsfähigkeit bedeutet.
S & B: Was haben Sie in der Armee über die Integration von Kollegen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen gelernt? Welche Erfahrung haben Sie mit in die Geschäftswelt eingebracht?
Bill Cole: Als Kind habe ich zwei Dinge von meinen Eltern gelernt – Akzeptanz und Respekt für alle Kulturen. Diese beiden Richtwerte gelten auch in der Armee. Ein integraler Faktor ist, dass das Militär jeden gleich ausbildet. Die Ausbildung ist sehr organisiert und auf dem höchstmöglichen Standard. Die besten Offiziere und Unteroffiziere werden ausgewählt, im Ausbildungsumfeld zu arbeiten, ob in der Royal Military Academy Sandhurst für Offiziere oder den Junior Leaders-Regimentern für Soldaten. Das führt unabhängig von deren kulturellem Hintergrund zur Vereinheitlichung der Denkweise und des Verhaltens von Angehörigen des Militärs.
Diese Erfahrung in die Geschäftswelt einzubringen ist einfach. In meiner Schulung fördere ich die Grundsätze der vollständigen Akzeptanz und des Respekts für alle Kulturen. Ich denke, der fehlende Respekt für andere Kulturen ist einer der Hauptgründe für Konflikte. Insbesondere, wenn die Haltung „meine Kultur ist besser als deine“ angenommen wird.
Der zweite Grundsatz ist eine vereinende Mission oder Zielsetzung. Ich habe beobachtet, dass Mitarbeiter in großen Unternehmen nicht sehr durch deren Vision und Mission motiviert werden. Das kann an fehlender Führung liegen oder einfach daran, dass die Botschaft nicht richtig vermittelt wird. Zudem ist auffallend, dass der Team-Ansatz nicht so stark ausgeprägt ist wie beim Militär. Darum versuche ich bei meinen Führungskursen, diese zwei Grundsätze der Akzeptanz und des Respekts weiterzugeben und das Team dazu zu bringen, seine eigenen Missionen und Zielsetzungen zu formulieren – in Übereinstimmung mit der Unternehmenspolitik.
Wie sollten allgemeine Werte gelenkt werden?
Es hilft, hierzu eine Unternehmenspolitik zu haben - einen klaren Plan dazu, wie das Beste aus der Vielfalt gemacht werden kann, um ihre Vorteile zu maximieren.
Verhalten, welches das Team-Engagement unterstützt
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einen starken Glauben an die Unternehmenskultur zeigen
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öffentlich loben – oder privat, wenn es kulturell angemessen ist
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einen starken Glauben an und Vertrauen in Menschen aufbauen
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die langfristigen Beziehungen zwischen Mitarbeitern särken
Außerdem sollten alle Mitarbeiter jährlich eine Schulung zu diesem Thema erhalten. In diesen Schulungen könnte behandelt werden, wie verschiedene Nationen verhandeln, Entscheidungen treffen und kommunizieren. Alle Mitglieder des Teams können einen Vortrag beispielsweise über das Verhandlungsverhalten in ihrem Land, den Führungsstil, das Treffen von Entscheidungen, den Informationsaustausch, Konfliktmanagement und Feedback halten. Die Schulung sollte sowohl Spaß machen als auch lehrreich sein.
Die heutige Herausforderung: Interkulturelle Unterschiede – beidseitiger Nutzen
S & B: Wie kann der Führungsstil zu einer erfolgreichen interkulturellen Geschäftskultur in einem Unternehmen führen?
Bill Cole: Ein herausragender Führungsstil ist für eine erfolgreiche interkulturelle Geschäftskultur besonders wichtig. Wenn Sie mit Personen sprechen, die ein internationales Team leiten, und diese ehrlich sind, werden sie zugeben, dass es eine Herausforderung ist. Wie nutzt man interkulturelle Unterschiede zum beidseitigen Vorteil? Dies ist die Herausforderung der Führungskräfte von heute.
Ich würde sagen, dass die wichtigsten einzusetzenden Faktoren für eine erfolgreiche Führungskraft allgemeine Werte und allgemeine Verhaltensweisen sind, an die jeder glaubt – egal ob Chinese oder Argentinier. Dazu gehören zum Beispiel Werte wie Vertrauensbildung, aktive Hinarbeit auf Lösungen und Respekt für den Standpunkt und die Sichtweise anderer.
Der nächste wichtige Faktor für eine Führungskraft ist es, mit gutem Beispiel voranzugehen. Ich denke außerdem, dass ein autoritärer Führungsstil im internationalen Umfeld nicht funktioniert. Der Ansatz, den Mitarbeitern immer nur zu sagen, was zu tun ist, führt normalerweise zu stiller Feindseligkeit. Der Coachingstil ist bei Weitem am effektivsten. Eine ermutigende, unterstützende Führungskraft, die ein guter Zuhörer ist und das Team an Lösungen arbeiten lässt, bekommt Loyalität und Motivation zurück – und schafft eine hervorragende Teamatmosphäre.
Halten Sie es einfach und klar
S & B: Was sind Ihre besten Tipps zur klaren Kommunikation in einer interkulturellen Umgebung?
Bill Cole: Zum einen sollte man sich seinem eigenen Stil bewusst sein. In vielen Ländern in der ganzen Welt ist es nicht nur die zwischenmenschliche Kommunikation, die anders funktioniert, sondern auch der Vorgang der Entscheidungsfindung. Menschen benötigen mehr Zeit und Kontakt, um Vertrauen aufzubauen und eine Entscheidung zu treffen oder einem Plan zuzustimmen.
Des Weiteren sollte man in einem interkulturellen Umfeld darauf achten, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen „gesprächigen“ und „stillen“ Typen zu schaffen. Einige Kulturen halten es für unhöflich, Meinungen zu äußern oder andere Teilnehmer sogar zu unterbrechen. Stellen Sie sicher, dass jeder Anwesende tatsächlich mit einbezogen wird und die Möglichkeit hat, seine Gedanken einzubringen.
Man sollte zudem seine Sprache den Zuhörern anpassen. Wenn Nicht-Muttersprachler mit dabei sind, sprechen Sie langsam und benutzen Sie einfachere Wörter als dann, wenn Sie vor Muttersprachlern stehen würden. Achten Sie besonders auf eine klare und präzise Aussprache.
Seien Sie sich bewusst, dass Ihre Botschaft von den verschiedenen Teilnehmern unterschiedlich gefiltert wird. Das heißt, sie wird durch deren jeweilige kulturelle Werte, Überzeugungen, Haltungen und Sprache gefiltert, so dass Sie eventuell nicht die Reaktion hervorrufen, die Sie erwartet haben.
Falls es sich um eine komplizierte Botschaft handelt, sollten die Zuhörer Ihnen zu verstehen geben, dass sie verstanden haben, was Sie gesagt haben.
Kurz gesagt: Halten Sie es einfach und klar.
S & B: Was sind die ausschlaggebenden Überlegungen von Personalverantwortlichen, wenn sie einen Manager einstellen, der sicherstellen soll, dass die Arbeitskräfte das Zeug dazu haben, in einer globalen Wirtschaft Erfolg zu haben?
Bill Cole: Meine erste Antwort auf diese Frage ist, dass sie sicherstellen müssen, dass der Manager ausreichend für diese Aufgabe ausgebildet ist. Zu viele Manager werden ins kalte Wasser geworfen und müssen sich selbst durchschlagen. Es ist natürlich hilfreich, wenn der Manager vor dieser Aufgabe schon Erfahrung in einer globalen Wirtschaft gesammelt hat. Zweitens müssen die Sprachkenntnisse gut sein. Ein hohes Niveau der englischen Sprache ist wesentlich und es ist sehr von Vorteil, wenn die Person dazu Spanisch, Französisch oder die am meisten unter den Mitarbeitern gesprochene Sprache spricht. Drittens sollte jemand gewählt werden, dessen Führungsqualität der internationalen Gemeinschaft entspricht. Die Person muss sehr gut darin sein, Beziehungen aufzubauen, einen Coachingstil bei der Führung verfolgen und Talent für den Aufbau eines Teams haben.
S & B: Was sind Ihre ersten Schritte bei der Schulung von Geschäftsführern?
Bill Cole: Zuerst finde ich heraus, was ihnen Sorgen bereitet und wo sie glauben, nicht erfolgreich zu sein. Dann bringe ich die Fähigkeiten in Erfahrung, von denen sie glauben, dass sie sie entwickeln müssen, um effektivere Führungskräfte zu werden. Wir machen dann ein Brainstorming, worum es bei der Führung geht und bestimmen, was die Unterschiede zwischen Führungskräften und Managern sind und ob es eine Überschneidung gibt. Ich glaube, es ist hilfreich, auch die Geschichte der Führung durchzugehen und wie sie sich – insbesondere in den letzten sechzig Jahren – entwickelt hat. Danach machen wir ein Brainstorming dazu, was Führungskräfte tun müssen. Das ist größtenteils abhängig von der Managementebene, mit der ich es zu tun habe. Höhere Führungskräfte brauchen eine andere Schulung als diejenigen, die gerade am Anfang stehen. Zudem gibt es bei jeder Schulung unweigerlich eine interkulturelle Komponente.
Herr Cole, vielen Dank für Ihre Zeit!
August 2012